Leserbrief zur Berichterstattung über den Werkausschuss in Geretsried am 01.07.02:
Im letzten Werkausschuss habe ich vorgeschlagen, in der Satzung zu ergänzen, dass der Werkausschuss die Geretsrieder Stadtwerke durch klare
Zielvorgaben kontrollieren und steuern müsse. Ich fürchte, ich habe es nicht verständlich erklärt. Dadurch sind Irritationen im Ausschuss und bei der Presse entstanden. Mir ist das Anliegen, das
hinter diesem Vorschlag stand, aber sehr wichtig. Deshalb mein Leserbrief.
Worum geht es? Es geht darum, bei den Stadtwerken das überfällige Controlling aufzubauen, das uns aus gutem Grund ausnahmslos von allen Prüfern
dringend empfohlen wird. Hätte es in der Vergangenheit existiert, wären den engagierten, neuen Werkleitern und uns viele unserer jetzigen Probleme erspart geblieben.
Was beinhaltet so ein Controlling? Ich wähle ein vereinfachtes Beispiel aus dem Flugverkehr: Die Entscheidung, was gemacht wird, liegt beim
Piloten. Aber ein Fluglotse überwacht den Kurs. Er meldet Kursabweichungen und unterbreitet notfalls Vorschläge für Kurskorrekturen, z.B. bei Landungsproblemen. Damit der Fluglotse seine Aufgabe
erfüllen kann, muss er natürlich ganz genau wissen, was seine Aufgabe ist und das Ziel des Piloten kennen. Er muss die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, um dieses Ziel
umzusetzen, z.B. einen Radarbildschirm, auf dem er laufend überprüfen kann, ob dieses Ziel erreicht wird. Ist dieses Ziel gefährdet, gibt er Handlungsempfehlungen an den Piloten.
Der Fluglotse steht in einer modernen Stadtverwaltung eben für diese: In unserem Fall also die Werkleitung. Die Rolle des Piloten ist die des
Stadtrates bzw. des Werkausschusses. Ein mögliches Ziel bei uns könnte zum Beispiel lauten: Oberste Priorität hat die Senkung der hohen Wasserverluste. Ziel ist die Senkung bis 2003 um x Prozent. Was
realistisch ist, muss jeweils gegenseitig ausgehandelt werden. In der Folge wüsste aber z.B. die Werkleitung genau, was bis wann von ihr erwartet wird und könnte sich darauf berufen, dass der
Stadtrat auch die erforderlichen Mittel dazu bereit stellt. Wie sie das vorgegebene Ziel erreicht, steht in ihrer fachlichen Kompetenz. Ganz sicher wird also auch künftig der Stadtrat keinen
Wirtschaftsplan erstellen oder mitreden wollen, welche Rohre wo verwendet werden. Für Bürgerinnen und Bürger wird die Arbeit der Stadtwerke damit wesentlich transparenter. Sie können genau
mitverfolgen, wohin ihre Gelder fließen, ob wirtschaftlich damit gearbeitet wird und die angestrebten Ziele auch erreicht werden. Ein lohnendes Ziel, nicht nur für die Stadtwerke, sondern für die
gesamte Stadtverwaltung.
Brigitta Siepmann