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Aktuelle Stellungnahme zum geplanten Bad Mediterana vom 13.9.2005 weitere Stellungnahmen und Berichte zum Mediterana unter aktuelles
Am 13.09.2005 stand erneut die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Vorhaben bezogenen
Bebauungsplanes wegen des Vorhabens Mediterana auf der Tagesordnung des Geretsrieder Stadtrates. Es gab wie immer eine sehr professionelle Vorstellung seitens des Investors und seiner Mitarbeiter. Wir
stellen aber fest: Seit der letzten Diskussion im Stadtrat sind fünf Monate vergangen. Aber auch wenn unserer Grünen-Stadträte zur Stadtratssitzung umfangreiche Papiere in den Händen hielten: Die
Antworten auf einige wichtige Fragen sind nach wie vor offen. Im Gegenteil: Einige zusätzliche Fragen stellen sich neu. Hier die Stellungnahme der Stadträtin Brigitta Siepmann:
Flächenverbrauch
Ich beginne mit dem Thema Flächenverbrauch. Der beabsichtige Parkplatz samt Parkhaus entfällt ja nun zu Gunsten einer
Tiefgarage. Ein Anlass zur Freude?
Wohl kaum. Denn wer die Pläne aufmerksam gelesen hat, wird bemekrt haben, dass sich die noch im April genannte bebaubare
Grundfläche von damals 18.000 auf inzwischen 24.000 qm erhöht hat. Die Begründung des Investors dafür: Er wolle dadurch vermeiden, dass er bei einer „geringfügigen“ Bauerweiterung von den
Festsetzungen des Bebauungsplanes befreit werden müsse. Wie gesagt: Eine Steigerung von 18.000 auf 24.000 qm. Das sind 6000 qm Differenz und das macht etwa die geringfügige Fläche von 4-5
Edekamärkten in der Breslauerstraße. 6000 qm von denen wir nicht wissen, wie sie genutzt werden sollen, die aber natürlich auch viel Potenzial für Fitness- und Rehabereiche und Ladenflächen, z.B.
mit Mode- und Freizeitartikeln enthalten.
Hinzu kommt statt einer Anfahrt eine zweite Fahrbahn, die ebenfalls Fläche verbraucht und der Ausbau der Abfahrt von der
B 11, der außerdem in das Landschaftsschutzgebiet hinein reichen wird. Persönlich bin ich übrigens auch noch nicht überzeugt, dass die Verkehrsführung durch die bestehende Unterführung auf der B 11
sich wirklich bewähren wird. Ich kann nicht ausschließen, dass die Zufahrt über Gelting oder Geretsried nicht schneller wieder ins Gespräch kommen muss als uns lieb ist. Das zahlt dann allerdings
nicht mehr der Investor, sondern die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.
Nur am Rande erwähnen möchte ich das Problem Industriegleis, das natürlich während der Bauzeit auf nicht bekannte Zeit
unterbrochen sein wird. Wer dafür und für eine eventuell erforderliche Verlegung des Gleises die Kosten übernimmt ist ungeklärt.
Die S-Bahn hat nun statt einer Fahrbahn auf der Höhe von Buchberg zwei zu queren. Wie das geht und vor allem, wer die
Kosten dafür trägt ist ungeklärt.
Nach wie vor gilt eine unserer größten Sorgen auch der Gefahr der Zersiedelung unserer Landschaft:
Sie wird durch die ständige Vergrößerung des Bauvorhabens auch verständlicher Weise nicht geringer.
Durch das Mediterana wird das Stadtgebiet in den Außenbereich ausgedehnt. Der Stadtrand wird sich weiter auflösen,
andere Projektvorhaben werden folgen, weil sich der Investor des Mediterana und jeder neue Bauwerber für Sondernutzungen und ähnliche Projekte auf das genehmigte Projekt berufen wird. Das nächste
Projekt ist in dem Beschlussvorschlag ja bereits enthalten: ein Hotel in unbekannter Größe und Ausführung, das irgendwo neben dem Mediterana entstehen soll.
Als Standort dafür kommt, da die Anlage selbst ja laut aktuellem Plan schon in das westliche Grundstück hineingewachsen
ist, nur noch die ehemalige Parkfläche in Frage. Wohlgemerkt, die Hotelfläche ist nicht in den 24.000 qm enthalten, sondern sie kommt dazu, zusätzlich Parkflächen und Außenanlagen.
Was hier ungefähr dazukommt, weiß vielleicht der Investor, wir wissen es nicht. Und trotzdem hat der Stadtrat heute mit
großer Mehrheit den Startschuss durch die Aufnahme in unseren Flächennutzungsplan gegeben. Wir Grüne stimmten dagegen, denn es scheint uns Grünen, abgesehen davon, dass wir das gesamte Projekt
äußerst kritisch sehen, doch etwas wenig Information, um eine solche Entscheidung zu treffen, die zwar rechtlich unsere Planungshoheit nicht einschränkt, aber faktisch eben doch.
Denn auch wenn das Hotel durch die Aufnahme im Flächennutzungsplan natürlich noch nicht genehmigt ist: Es ist damit, da
bin ich mir leider recht sicher, so gut wie durch. Der Investor wird die Vorlage seiner Pläne in einem oder zwei Jahren mit dem Argument unterlegen, dass die Wirtschaftlichkeit seiner Anlage daran
hängt, dass seine Pläne so wie vorgelegt genehmigt werden. Und dagegen wird sich kaum eine Mehrheit finden. Bereits in der Sitzung vom 13.09. teilte Herr Reddel, der zukünftige Geschäftsführer der
Anlage mit, dass sich das Vorhaben an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit bewege und eher Abstriche als weitere Bauerweiterungen angesagt seien.
Wenn das Mediterana kommt, wird es für eine Ablehnung von weiteren Bauvorhaben in diesem Gebiet generell schwierig
werden. Erstens weil es natürlich immer heftige Begehrlichkeiten weckt, wenn die Bastion des absoluten Außenbereiches im Flächennutzungsplans erst einmal gefallen ist und vor allem deshalb, da die
Vorstellung weiterer Bauvorhaben entlang der S-Bahn ja auch gar nicht jeden im Stadtrat gleichermaßen schreckt.
Was aber jeden von uns im Stadtrat freut, ist grundsätzlich die Aussicht auf zusätzliche Arbeitsplätze
Doch auch hier haben wir im April bereits darauf hingewiesen, dass wir zur Feststellung des tatsächlichen Gewinnes an
Arbeitsplätzen den gesamten Wirtschaftsraum Wolfratshausen/Geretsried betrachten müssen.
Es gilt nach wie vor: Weil das Mediterana als Großanbieter von Fitness, Wellness und Schmerztherapie auftreten wird, wird
es bestehende Kleinanbieter verdrängen. Diese können sich keine Kampfpreise leisten. Außerdem richtet sich das Angebot genau an den Kundenkreis, der jetzt das Überleben kleinerer Anbieter in der
Region sichert: zahlungskräftige Kundinnen und Kunden, die am Besten auch privat versichert sind.
Diese Sorge ist nicht nur geblieben, sie hat sich sogar verstärkt. Denn wir Stadträte haben alle inzwischen ein mit
Zahlen unterlegtes, besorgtes Schreiben vieler heutiger Anbieter im Fitness- und Rehabereich aus der Region erhalten.
Natürlich herrscht freier Wettbewerb und wir können und wollen diesen nicht durch unsere Entscheidungen unmöglich
machen. Dennoch gilt es, die Sorgen der Betroffenen ernst zu nehmen und vor allem ehrlich zu sein und nicht so zu tun, als ob durch eine solche Anlage nicht auch bereits bestehende Arbeitsplätze in der
Region stark gefährdet werden.
Nach wie vor schmerzt uns auch der Verlust eines weiteren stadtnahen Erholungsgebietes:
Denn das ist das Gebiet, auf dem das Mediterana entstehen soll und auch die umliegenden Flächen, die durch die
Infrastruktur in der Nutzung eingeschränkt werden. Zwar ist nun festgehalten, wie die Zu- und Abfahrt erfolgen soll und dass der Investor den Durchgang durch die Anlage ermöglichen muss. Aber Konflikte
sind hier meines Erachtens vorprogrammiert, vor allem, wenn auch noch ein Hotel für gehobene Ansprüche auf dem Gelände stehen wird.
Sie erinnern sich auch vielleicht auch an meine Aufzählung im April, welche weiteren Flächen bereits durch Planungen
verloren gehen werden:
Durch die S-Bahnverlängerung droht der Verlust von Bannwald und die Buckelwiesen der Königsdorfer Alm zwischen
Geretsried- Mitte und Stein.
Der Stadtwald wird bei einer Verlegung der Tattenkofer Straße kleiner werden.
Die Böhmwiese wird S-Bahnhof und verliert weiter Fläche durch Parkflächen und S-Bahngleise. Wird die B 11 doch einmal
verlagert - auch das eine Diskussion, die gerade wieder aufflammt - ist die dadurch gewonnene Fläche keineswegs für Naherholung, sondern für Stadtentwicklung im Gespräch.
Die Isarauen sind in erster Linie nicht Naherholungs- sondern Naturschutzgebiet. Sie sind schon jetzt im Sommer überlaufen und außerdem auf Grund der Beschaffenheit des Geländes und der Wege für gehbehinderte Menschen und Kinderwägen kaum zu nutzen.
Nach wie vor gilt auch, dass sich die Konzeption des Mediterana sich in seiner Preisgestaltung und seiner Zielsetzung
nicht an Familien mit Kindern wendet, egal ob einkommensstark oder –schwach und auch Einkommensschwächere sind nicht unbedingt die Zielgruppe. Diese Personengruppen sind aber nun einmal bei uns in
der Stadt stark vertreten und haben den Verlust an Fläche sowie eventuelle Folgekosten dennoch mitzutragen. Das gilt auch für eventuelle Folgen für die Ausstattung, den Betrieb und die Preisgestaltung
in unserem Hallenbades, auf die wir uns ebenfalls, wie im April ausgeführt, einrichten müssen.
Und es gilt für einen weiteren kritischen Punkt: Die Wasserver- und entsorgung des Mediterana
Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Bad und sitzen auf dem Trockenen? Unrealistisch? Leider nicht ganz.
Denn nach wie vor ist völlig unklar, ob es dem Investor gelungen ist oder gelingen wird, eine erfolgreiche Bohrung nach
Thermalwasser nieder zu bringen. Also muss ich mich natürlich fragen: Was passiert, wenn sich kein bezahlbarer Zugang zu Thermalwasser eröffnet?
Wir haben keine Aussage des Investors, dass er dann auf sein Vorhaben verzichten wird. Damit ist auch nicht zu rechnen, denn
auch das Mediterana in Bergisch-Gladbach wird ja nicht mit Thermalwasser, sondern mit normalem Wasser betrieben, das allerdings werbewirksam mit dem nicht geschützten Begriff „Mineralwasser“
bezeichnet wird. Mit dieser Qualität dürfte unser Wasser mithalten können.
Findet der Investor keinen bezahlbaren Zugang zu Thermalwasser, müssen wir den gesamten Wasserbedarf der Anlage decken.
Dass dann auch noch der Bau eine Heizanlage erforderlich wird, weil kaum jemand im kalten Wasser baden will, erwähne ich nur am Rande. Angeblich soll es inzwischen Bohrungen nach Süßwasser gegeben
haben, die den Bedarf decken könnten. Die Angaben über die Fördermengen waren in der Sitzung sehr widersprüchlich, Nachweise liegen keine vor.
Ich bleibe bei meiner Behauptung von April: Das Geretsrieder Trinkwassernetz kann den immensen Wasserbedarf eines
Mediterana nicht decken, ohne große Mengen an teurem Münchner Trinkwasser dazu zu kaufen.
Eigentlich sollte durch den Bau des neuen Hochbehälters so viel Wasser aus eigener Versorgung vorgehalten werden können,
dass wir uns bei der nächsten Vertragsverhandlung mit München nicht mehr in bisherigem Umfang abhängig machen und den Preis halten, wenn nicht sogar drücken können. Das ist utopisch, wenn die
Münchner erkennen, wie dringend wir auf ihr Wasser angewiesen sind. Das teure Münchner Wasser wird sich dann auch weiterhin stark auf unsere Gebühren auswirken.
Die Abwasserentsorgung ist ebenfalls unklar wie eh und je. Seit Januar 2004 werden immer wieder Unterlagen seitens des
Investors angekündigt, aber bis heute warten wir vergebens. Sie wurden auch in der Sitzung vom 13.09.2005 angekündigt. Lassen wir uns überraschen!
Ursprünglich sollte das Wasser vorgeklärt, dann großteils in den vorgesehenen See geleitet und nur vorgeklärte der
Rest von ca. 25.000 cbm sollte ins Abwassernetz eingespeist werden.
Von Vorklärung ist in den vorgelegten Plänen keine Rede mehr. In der Sitzung war allerdings von einer supermodernen
Biokläranlage die Rede, die allerdings nirgendwo in der ausführlichen Darstellung der Baupläne erwähnt wurde. Wo soll diese situiert sein? Wir wissen es nicht. Der See ist jedenfalls der neuen
Tiefgaragenplanung zum Opfer gefallen.
Über die Menge und die Belastung liegen trotz wiederholter Ankündigungen die seit Januar 2004 immer wieder
angekündigten Nachweise nicht vor.
Und nun stellen Sie sich einen Betrieb wie das Mediterana vor, das seinen immensen Wasserbedarf zu Trinkwasserpreisen
einkaufen und sein gesamtes Abwasser zu den hohen Gebühren abführen muss. Ich frage mich, wie sich das auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt? Das wird auf Dauer nicht gehen und läuft kraft des
Faktischen auf Sonderkonditionen hinaus. Müssen wir also die Kosten auf alle Bürgerinnen und Bürger umlegen? Auch das ist eine offene Frage, die wir mangels Informationen seitens des Investors leider
noch nicht klären konnten.
Es ist schon sehr mutig, sich vor diesem Hintergrund mit der lapidaren Feststellung in den Unterlagen zu begnügen:
· Sämtliche Bauvorhaben müssen vor Fertigstellung an die zentrale
Wasserversorgung angeschlossen werden.
· Sämtliche Bauvorhaben sind an die zentrale Abwasserbeseitigungsanlage vor
Bezug anzuschließen. Ausnahmen werden nicht zugelassen.
Es wäre ja schön, wenn es ausschließlich die Frage des Anschlusses wäre, die bei der Wasserver- und –entsorgung
Kopfzerbrechen bereitet!
Es sind längst nicht nur ökologische Gründe, warum wir dieses Projekt ablehnen. Es geht uns dabei ebenso um das
Wohl unserer Stadt, wie das die Befürworter für sich in Anspruch nehmen. Helfen Sie mit und begleiten Sie den weiteren Prozess aufmerksam und kritisch, auch in der Öffentlichkeit!
Brigitta Siepmann, Stadträtin Volker Witte, Stadtrat
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