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Geretsried - Stadt im Grünen - mehr Grün für die Stadt

Anmerkungen zum geplanten Spaladin bei Gelting, 1.2.2008

Einführung

Bericht aus dem Geretsrieder Merkur vom 29.01.2008:
“In seiner 70. Sitzung seit der Kommunalwahl 2002 hat der Stadtrat am Dienstagabend eine mutmaßlich weitreichende Entscheidung getroffen: Mit 28:2 Stimmen votierten die Politiker für die Aufstellung eines so genannten vorhabenbezogenen Bebauungsplanes. Erklärtes Ziel der Stadtratsmehrheit ist die Errichtung einer Wellness- und Spa-Anlage mit Hotel und Ferienwohnungen auf dem Gut Buchberg.
Die Investorengesellschaft, das erläuterte Andreas Neumann, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft "New Men Consulting", im Anschluss an die Entscheidung in einer Pressekonferenz, werde 55 bis 60 Millionen Euro in die Spa-Anlage pumpen - und noch mal die gleiche Summe in ein Hotel investieren, das spätestens im Herbst 2009 im Rohbau fertiggestellt sein soll. Die Millionen für das "Spa-Aladin" kommen aus Saudi-Arabien, genauer gesagt von dem aus dem Königreich stammenden Scheich Adnan Zainy.” Soweit Zitat Merkur. Die zwei Gegenstimmen kamen natürlich von den Grünen.

Bericht aus der Wolfratshauser SZ, 31.1.2008: “ ... Das Plangebiet umfasst etwa 16,8 Hektar. Bebaut werden im maurisch-mediterranen Stil maximal 21600 Quadratmeter für den Spa-Bereich, 13000 Quadratmeter für das Hotel und 7300 Quadratmeter für Ferienwohnungen ...”

Das ist das, was auf dem Grundstück an Bauten entstehen soll. Offen ist die Frage: Was kommt darum herum? Denn die teuer zahlenden Erholungssuchenden werden sich nicht von Zaungästen zusehen lassen wollen.

Wasser

Die ganze Therme liegt auf dem Trockenen. Die Wasserversorgung ist nicht gesichert. Der Investor plant eigene Bohrungen, weiß aber noch nicht, was ihn erwartet. Im Falle einer eigenen Bohrung geht der Stadt Geretsried aber künftig diese Fläche für die eigene Versorgung ab. Ebenso wird als Möglichkeit dargestellt, das Wasser aus dem geplanten Geothermie-Kraftwerk zu beziehen. Bei diesen Kraftwerken ist es aber üblich, das Wasser wieder in den Untergrund zu bringen, um einen geschlossenen Kreislauf zu erreichen.
Herr Sternkopf vom Bauamt behauptet, die Wasserversorgung durch die Stadt wäre kein Problem. Das stimmt, aber nur, wenn entsprechende Wassermengen teuer von der Stadt München dazu gekauft werden. Dadurch werden die Wasserpreise steigen - oder die Einnahmen der Stadtwerke für Investitionen sinken, wenn die Preise aus politischen Gründen nicht angepasst werden.
Als Möglichkeit sieht der Investor auch, das Thermalwasser per Lkw herbeizuschaffen. Wie hoch wird dadurch das Verkehrsaufkommen? Wie wirkt das auf unsere Ökobilanz?

Steuern

Was bleibt der Stadt Geretsried finanziell? Diese Frage stellte Peter Tobisch (FDP) am 29.1. im Stadtrat. Herrn Andreas Neumann von der Investmentgesellschaft Caprive fehlten erst die Worte, dann überlegte er und sagte, er kenne sich im Steuerrecht nicht aus. Er hatte aber noch  3 weitere Kollegen dabei, die auch nichts dazu sagen konnten (oder wollten). Statt dessen antwortete Frau Bürgermeisterin Irmer, die Gewerbesteuer sei auf jeden Fall in Geretsried fällig. Basta. Wenn das so klar ist, warum sagte Herr Neumann dann in einem Zeitungsinterview einige Tage zuvor, man lasse derzeit von Anwälten prüfen, ob in Deutschland Steuern zu bezahlen seien? Klingt das nicht ein ganz klein wenig nach Heuschrecke? Immerhin hat die Firma Caprive, die angeblich aus Genf kommt, ihren Sitz auf den Kaiman-Inseln gemeldet. Eines zeichnet sich inzwischen deutlich ab: Dieses Vorhaben ist noch einige Stufen über dem bisher geplanten Mediterana angesiedelt und richtet sich vom Angebot her mit Sicherheit nicht an die Mehrheit der Geretsriederinnen und Geretsrieder. Wir denken, die Frage, ob auch diese Bürgerinnen und Bürger von diesem Projekt in Form von Steuereinnahmen etwas zurück bekommen, ist mehr als berechtigt.

Sinnfrage

Das ganze Gelände war einmal eine Kiesgrube und wurde mit Bauschutt verfüllt. Wenn die geplanten 900 Tiefgaragenplätze gebaut werden, muss der ganze Bauschutt teuer entsorgt werden. Außerdem gehen einige Versorgungsleitungen, die nicht überbaut werden dürfen, mitten durch das Gelände. Was treibt einen Geschäftsmann dazu, ausgerechnet hier, in unmittelbarer Nähe von Gewerbebetrieben und obwohl noch nicht einmal gesichert Thermalwasser vorhanden ist, eine Therme zu bauen?

An wie vielen Orten hat der Investor wohl vergeblich angefragt, seit ihm vor einigen Jahren, nach dem ersten Kontakt zu Frau Schönhuber von Gut Buchberg, das inzwischen gescheiterte Projekt “Mediterana” dazwischen gekommen ist - und warum ist er dort nicht zum Zug gekommen? Denn Wunschkandidat - davon muss man aus der intensiven und breit gestreuten Werbung der Firma Schletterer im Internet ausgehen, war eindeutig nicht Geretsried, sondern Tölz und Umgebung - und da wird das Spaladin laut den Werbetexten auch trotz des Standorts Geretsried entstehen.

Noch leben wir in einer ländlichen und grünen Umgebung und sind damit sehr begünstigt vor vielen anderen Menschen. Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn wir das nicht mehr schätzen, wenn die Menschen gar so viele "Wellness-Oasen" brauchen? Eine unverfälschte Natur mit guter Luft und sauberem Wasser ist die denkbar beste und nachhaltigste "Wellness-Oase" - und sie ist für alle kostenlos nutzbar und passt perfekt in unser Landschaftsbild.

Apartments

Wieso gibt es jetzt plötzlich auch noch Apartments zusätzlich zum Hotel? Das wollte unser Stadtrat Volker Witte wissen. Diese Apartments seien notwendig, wenn ausländische Gäste mit Gefolge kommen, um separat zu sein. Ein Anlass zu Gedankenspielen: Wie wäre es, wenn der arabische Geschäftsmann oder andere private Gäste mit ihrem Gefolge immer wieder ein paar Wochen ins schöne Voralpenland kommen und das Bad für diese Zeit gar keine Gewinne macht? Dann hat sich die Frage nach der Gewerbesteuer ebenfalls erledigt. Bei Wellness-Gästen mit Gefolge stellt sich automatisch auch die Frage nach der Sicherheit: Müssen wir bei bestimmten Gästen mit Einschränkungen oder gar Absperrungen rechnen?

Fazit

Sehr viele wesentliche Fragen sind ungeklärt, die Planungen wachsen mit jeder Veröffentlichung, die Wasserfrage ist völlig offen, Aussagen zu Steuern, Arbeitsplätzen sind nicht beantwortet, etc. Was haben unsere Stadt und unserer Bürgerinnen und Bürger von diesem Projekt, für das ihnen wieder ein großes Stück unbebauter Fläche, vielleicht auch Wasserreserven im Untergrund  verloren gehen und das unser Landschaftsbild erheblich verändern wird? Das sind, denken wir, berechtigte Fragen, die eigentlich jedem verantwortungsvollen Stadtrat und auch Frau Bürgermeisterin Irmer bei einem Projekt dieser Größenordnung vor einer endgültigen Zustimmung am Herzen liegen müssten. Statt dessen sind es, wie auch beim Mediterana,  wieder die Grünen, die diese Fragen stellen. Und wie unter dem ehemaligen Bürgermeister Hans Schmid müssen sie sich dafür auch unter einer Frau Bürgermeisterin Irmer öffentlich als destruktive Bedenkenträger bezeichnen lassen.

Das halten wir aus, denn wir sind überzeugt, dass es richtig ist, dieses Projekt auch weiterhin kritisch zu beobachten und zu hinterfragen.

 

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